Aktuelle Informationen zur Artenschutz und dessen Auswirkungen auf Musiker

zusammengestellt von Thomas M. Gerbeth, Wien

 

Die untenstehenden Informationen basieren auf offiziellen Schriftstücken des

BUNDESMINISTERIUM FÜR LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT, UMWELT UND WASSERWIRTSCHAFT  (BMLFUW) in Wien.

Rückfragen bitte auch an:

Abteilung I/8 - Nationalparks, Natur- und Artenschutz, Stubenbastei 5, 1010 Wien oder Abteilung Rechtsdienst 2, Abteilung Fremdlegistik und Rechtskoordination Stubenring 1, 1010 Wien

 

UPDATE: 07.12.2016

 


Bei der 17. CITES-Vertragsstaatenkonferenz (CoP17) im Herbst 2016 wurden unter anderem auch Änderungen in den Regelungen zu bestimmten Holzarten vorgenommen, welche international am 2. Jänner 2017 in Kraft treten.
In dem Informationsblatt finden Sie dazu die näheren Details insbesondere auch hinsichtlich der damit verbunden Nachweispflichten und Meldemöglichkeit für Besitzer betroffener Instrumente
.

PDF: INFOBLATT DES BMLFUW ZUR CoP 17 vom 30.11.2016


Offizielle Presseaussendung der WKO: Artenschutz betrifft Musikinstrumente

 Pressemitteilung  02.12.2016 (PDF)

 Pressemitteilung  04.12.2016 (Link)


Infobrief Voranmeldung Vorerwerb für Firmen
02.12.2016 (PDF)

Amtliche Bekanntmachung der Stadt Leipzig: Bekanntmachung Altbestände Holz COP17 LAbl 2016 Nr.21 S.9)-AM.pdf

Infoblatt des Bundesamtes für Naturschutz Bonn: Handel-mit-Anhang-B-Holz-in-der-EU.pdf

To-Do-Liste für Musiker - erstellt von Andreas Hampel (Hamburg) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz Bonn - 26.11.2016 (PDF)


Pressespiegel zur CoP 17 - Gründe für die Listung von über 300 Palisanderarten:


LINK: http://ens-newswire.com/2016/10/05/rosewoods-traveling-musicians-receive-cites-protection/ (englisch)

LINK: http://www.spektrum.de/news/obszoen-hohe-profite/1305972 (deutsch)

PDF: China’s Hongmu Consumption Boom: Analysis of the Chinese Rosewood Trade and Links to Illegal Activity in Tropical Forested Countries.pdf (englisch)

LINK: http://www.earthisland.org/journal/index.php/elist/eListRead/un_issues_new_protections_for_rosewood_trees/ (englisch)

·    Ausgenommen - BEI DIESEN HÖLZERN - sind Grenzübertritte zum „nichtkommerziellen Gebrauch“ mit Palisander im Gesamtgewicht von bis zu 10 kg. Unter „nichtkommerzielle Ausfuhr“ fällt jede Reise eines Musikers, der mit seinem Instrument für Konzert- oder Studienzwecke ins Ausland reist, auch wenn er Gage für sein Konzert bekommt. Diese Ausnahme bezieht sich NICHT auf Elfenbein, Schildpatt, Fischbein und andere vom Artenschutz betroffene Materialien.

·    Auch eine Privatreise ohne Konzert ist natürlich „nichtkommerziell“.

·    Der Handel – also An- und Verkauf auch zwischen Privatpersonen – mit Exemplaren der neugelisteten Hölzer unterliegt ab 2. Jänner 2017 besonderen Regelungen. Der Kauf oder Verkauf innerhalb der EU ab diesem Zeitpunkt ist ausschließlich mit Nachweisen über den rechtmäßigen Erwerb in der EU und die legale Einfuhr erlaubt.

·    Kann belegt werden, dass betroffene Exemplare bereits vor dem 2. Jänner 2017 erworben wurden („Vorerwerb“), ist mit diesem Nachweis in artenhandelsrechtlicher Sicht der Kauf bzw. Verkauf in der EU rechtmäßig.

·    Der Handel über die Grenzen der EU hinaus erfordert Genehmigungen der Naturschutzbehörden.

Honduras Palisander [Dalbergia stevensonii], vorwiegend verwendet für Gitarren und Streichinstrumente (Wirbel, Saitenhalter, Kinnhalter, Endknöpfe)

Amazonas Palisander [Dalbergia spruceana], vorwiegend verwendet für Gitarren und Streichinstrumente (Wirbel, Saitenhalter, Kinnhalter Endknöpfe)

Ostindisches Palisander [Dalbergia latifolia], vorwiegend verwendet für Gitarrenund Streichinstrumente (Wirbel, Saitenhalter, Kinnhalter Endknöpfe)

Grenadill/ Africa Blackwood [Dalbergia melanoxylon], vorwiegend verwendet für Holzblasinstrumente

Cocobolo [Dalbergia retusa], vorwiegend verwendet für Holzblasinstrumente

Rosenholz [Dalbergia decipularis], vorwiegend verwendet für Gitarren, Holzblasinstrumente

Veilchenholz/Königsholz [Dalbergia cearensis], vorwiegend verwendet für Holzblasinstrumente


Die Liste ist nicht vollständig. Eine Aufstellung aller bekannten Dalbergien-Arten unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Dalbergien


Musterbrief Anmeldung von Musikinstrumenten OHNE Nachweis des Vorerwerbes (gültig in dieser Form für Österreich)

Für den Handel über die Grenzen der EU hinaus werden Genehmigungen der CITES (Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen) benötigt.

Hierfür ist es notwendig, die legale Herkunft nachzuweisen; lediglich bei Exemplaren aus Vorerwerb entfällt diese Anforderung.

Als Nachweise für den Vorerwerb gelten eindeutig zuordenbare Rechnungen, Lieferscheine, Kaufverträge, Materialdeklarationen oder Versicherungsunterlagen.

Ebenso können Fotos der Seriennummer oder Zertifikate mit Datierungen vor dem 2. Jänner 2017 als Beweis für den Vorerwerb herangezogen werden.

Wenn oben genannten Nachweise vorhanden sind, ist KEINE Meldung bei den Behörden notwendig. 

Fehlen solche eindeutigen Nachweise zum Vorerwerb, besteht zusätzlich bis zum 1. Jänner 2017 die Möglichkeit,
unter dem Betreff „Neulistung – Hölzer – CoP 17“ eine schriftliche Meldung
an das BMLFUW, Abt. I/8, Stubenbastei 5, 1010 Wien,
Abt.18@bmlfuw.gv.at zu senden.

Dieser formlosen Meldung sind Beschreibung und Fotos des Objektes anzufügen.

BEISPIEL:
 
Die Fotos können auch als Einzelbilder im Anhang des Mails versendet werden und müssen nicht zwingend wie hier im Dokument eingebettet werden.
 

In Deutschland ist die jeweilige Naturschutzbehörde, meist angesiedelt im Landratsamt (untersteht der Länderhoheit und ist verteilt auf über 250 Stellen) zuständig.
Erklären Sie dort das Problem und fragen Sie nach einer Lösung.

Hier ist ein Link mit zuständigen Adressen in den einzelnen Bundesländern: http://www.vivaria-verlag.de/Behoerde1.html 

Eine Liste der zuständigen Landratsämter (Bin noch auf der Suche nach einigen Adressen):

 Baden-Württemberg
Bayern Bayern
Berlin Berlin
Brandenburg Brandenburg
Bremen Bremen
Hamburg Hamburg
Hessen Hessen
Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz
Saarland Saarland
Sachsen Sachsen
Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein
Thüringen Thüringen

  

 

HINWEIS: Um die Verständlichkeit der hochkomplexen Problematik zu erleichtern, habe ich die Hinweise in diesem Abschnitt (Orange hinterlegt) verkürzt dargestellt. Der komplette, rechtliche Hintergrund ist in der offiziellen Pressemitteilung der WKO wiedergegeben. Der Wissensstand entspricht den zugänglichen Informationen vom 07.12.2016.

Rückfragen richten Sie bitte an: bogenbau@gerbeth.at

 
 

 

 


PDF: Aktuelle Informationen zur Reisefähigkeit von Streichbogen und Instrumenten - VERSION für ÖSTERREICH
(A5 Broschüre, freigegeben und aktualisiert am 14.06.2015)


UPDATE FÜR DIE VERSION "DEUTSCHLAND"
PDF: Aktuelle Informationen zur Reisefähigkeit von Streichbogen und Instrumenten - VERSION für DEUTSCHLAND
(A5 Broschüre, freigegeben und aktualisiert am 07.03.2016)

Achtung: Ich bin darauf hingewiesen worden, dass sich beim Hausziegenleder ein Fehler eingeschlichen hat. Richtigerweise muss die lateinische Bezeichnung capra hircus hircus heißen. Beachten Sie dies bitte, wenn Sie die Druckversion haben oder sich die PDF-Dateien vor dem 14.06.2015 heruntergeladen haben.

Beispiele für die Declaration of materials und Negativbescheinigung (für vergrößerte Ansicht bitte anklicken)

Beispiel für Streichbogen:

Declaration of materials

(für alle Reisen über die
Grenzen der EU hinaus
empfohlen)
Information to the
declaration
Negativbescheinigung
 
Seite 1

(nur für USA-Reisen notwendig)
Negativbescheinigung

Seite 2





Beispiel für Streichinstrumente
(freundlicherweise zur Verfügung gestellt von den Meisterinnen des Geigenmacherhandwerks Kerstin Hoffmann und Claudia Rook):

Declaration of materials

(für alle Reisen über die
Grenzen der EU hinaus
empfohlen)
Photo documentation
to the

declaration of materials
Information
to the

declaration of materials






Minimalversion Declaration of materials
Liste der Materialien für die
Declaration of materials in Englisch und Lateinisch: Materialliste

 

Originalresolution 16.8 der 16. C.I.T.E.S.-Vertragsstaatenkonferenz zur Einführung der Instrumentenbescheinigung (englisch)

Hinweisblatt des BMLFUW zur C.I.T.E.S.-Instrumentenbescheinigung, Wanderausstellungsbescheinigung für Orchester
und Vermarktung von Musikinstrumenten, welche dem C.I.T.E.S.-Artenschutz unterliegen.pdf
(24.02.2015)

Hinweisblatt des BMLFUW: Einreise mit Musikinstrumenten als Einzelperson in die USA.pdf (24.02.2015)

 

Weitergehende Informationsbroschüren des deutschen Umweltministeriums:

Artenschutzinfo des Bundesamtes für Naturschutz.pdf - Vollzugsrelevantes!

Warum Naturschutz.pdf

Artenschutz geht jeden an.pdf

Infoblatt Rio Palisander.pdf


Rechtsgrundlagen (EU-Durchführungsverordnungen):

Artenanhangliste EG VO 1320-2014.pdf - vollständige Liste aller geschützten Tier- und Pflanzenarten (aktuell bis 2016)

Durchführungsverordnung VO (EG) 865_2006.pdf

Verordnung (EU) 2015 (56) Kommision.pdf

Durchführungsverordnung Formular 57_2015_formular.pdf

 


Pressespiegel:
Unter den Suchbegriffen "Instrumentenbescheinigung" und "Instrumentenpass" finden sich in den einschlägigen Suchmaschinen unzählige EInträge
Eine Zusammenstellung
interessanter und gut recherchierter Zeitungsartikel aus aller Welt zum Thema finden Sie hier (Quellenangaben und Erscheinungsdatum finden Sie in den Artikeln):

berliner-philharmoniker.pdf
factsheet-musical-instruments-2014.pdf
ihre-geige-braucht-jetzt-einen-pas.pdf
musik-und-artenschutz-im-clinch-1.pdf


   


Begriffsklärung:

C.I.T.E.S. Die Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (kurz C.I.T.E.S., deutsch Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen) ist gleichermaßen ein Abkommen und eine internationale Organisation, die zum Ziel hat, internationalen Handel mit Wildtieren und Pflanzen so weit zu regulieren, dass das Überleben von wildlebenden Tier- und Pflanzenarten nicht gefährdet wird. Der Konventionstext der C.I.T.E.S. wird nach dem Ort seiner Erstunterzeichnung am 3. März 1973 in Washington, D.C. auch Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) genannt.

C.I.T.E.S.-
Instrumentenbescheinigung
Unterliegt ein Instrument oder Bogen dem C.I.T.E.S.-Artenschutz, weil es geschützte Materialien (welcher Größe auch immer) enthält, so ist seit dem 05.02.2015 bei Reisen über die Grenzen der EU hinaus (incl. Schweiz) eine C.I.T.E.S.-Instrumentenbescheinigung (MIC) mit sich zu führen. Näheres hierzu in der Broschüre.

MIC MIC ist die internationale Bezeichnung für die C.I.T.E.S.-Instrumentenbescheinigung (musical instrument certificate).

C.I.T.E.S.-Instrumentenpass Die C.I.T.E.S.-Instrumentenbescheinigung hat z.B. in der Schweiz die Bezeichnung C.I.T.E.S.-Instrumentenpass.

Declaration of Materials Die Declaration of materials ist ein Dokument, in dem alle am Instrument oder Bogen verbauten Materialien beschrieben sind. Sie dient bei Grenzübertritt im Zweifelsfall (durch den Vollzugsbeamten) als Beweis, dass keine der am Instrument verbauten Materialien dem C.I.T.E.S.-Artenschutz unterliegen, bzw. um welche Materialien es sich handelt. Die Declaration of materials muss zweifelsfrei dem mitgeführten Objekt zuordenbar sein (z.B. Fotos, ggf. eindeutige Seriennummer etc.). Die Declaration of materials ist kein Herkunftsnachweis im Sinne eines Zertifikates und keine Wertbescheinigung für Versicherungszwecke, sondern dient ausschließlich dem Zweck der Materialzuordnung.

Negativbescheinigung Die Negativbescheinigung ist ein vom BMLFUW ausgestelltes Dokument, das die Angaben auf der Declaration of materials staatlicherseits (offiziell) bestätigt. Negativbescheinigung deswegen, weil vom Prozedere her mit der Declaration of materials formell eine C.I.T.E.S.-Instrumentenbescheinigung beantragt wird. Der Antrag muss jedoch negativ entschieden werden, da am Objekt keine dem C.I.T.E.S.-Artenschutz unterliegenden Materialien enthalten sind. Somit hat der Reisende mit der Declaration of materials und der Negativbescheinigung alle Beweismittel in der Hand, die belegen, dass das Objekt ohne weitere Papiere reisefähig ist. Die Negativbescheinigung ist derzeit ausschließlich für Reisen in die USA erforderlich.

BMLFUW Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft in Wien - also umgangssprachlich das Umweltministerium.

Vollzugsbeamte Hiermit sind alle Organe gemeint, die mit der Durchsetzung des Artenschutzes betraut sind, z.B. die Zollorgane.

Vollzugsbehörde Die Vollzugsbehörde des CITES-Artenschutzes in Österreich ist das BMLFUW mit seiner Abteilung I/8 - Nationalparks, Natur- und Artenschutz, Stubenbastei 5, 1010 Wien. Die Vollzugsbehörden in anderen Ländern sind meist über deren C.I.T.E.S.-Homepage (www.cites. + Länderkürzel) zu erfahren.

EU-Durchführungsverordnung Die EU-Durchführungsverordnung ist eine Rechtsverordnung, die die konkrete Anwendung eines Gesetzes oder einer anderen Rechtsverordnung regelt.

Drittstaat(en) Drittstaaten oder Drittländer sind Staaten, die nicht Vertragspartei oder Mitgliedstaat irgendeines gegenseitigen Abkommens mindestens zweier (anderer) Staaten oder Gebilde wie der Europäischen Union (EU) oder des Europäischen Wirtschaftsraums sind. Aus Sicht der EU sind Drittstaaten beispielsweise Norwegen, China oder die USA. Aus Sicht der EU nimmt die Schweiz momentan eine Sonderrolle ein.

Pre-Convention-Material Das ist Material, welches nachweislich zu einem Zeitpunkt der Natur entnommen wurde, bevor diese Art auf die Artenschutzliste der C.I.T.E.S. aufgenommen wurde. Mit entsprechenden Genehmigungen der Vollzugsbehörde dürfen diese Bestände auch nach der Listung verarbeitet und unter Umständen gehandelt werden. Voraussetzung hierfür ist die lückenlose Dokumentation der Herkunft sowie die Genehmigung der Vollzugsbehörde.

Zuchtbestände Für Zuchtbestände von Tier- und Pflanzenarten, welche dem C.I.T.E.S.-Artenschutz unterliegen, kann bei den Vollzugsbehörden eine Ausnahme vom Handelsverbot beantragt werden. Trotzdem unterliegen die Instrumente und Bogen, an denen nachweislich Materialien aus Zuchtbeständen verbaut wurden, den Regularien des Artenschutzes. Das heißt: Reisen über die Grenzen der EU hinaus und in Drittstaaten mit diesen Objekten sind ausschließlich mit der C.I.T.E.S.-Instrumentenbescheinigung (MIC) möglich.

Häufige Fragen und Antworten:

Hinweis: Die unten aufgeführten Fragen sind durch Musiker in den Gesprächen der letzten Zeit aufgeworfen worden.
Hier werden die Antworten von Bogenmachermeister THOMAS M. GERBETH wieder gegeben.
Anders als die Fakten in obiger Broschüre, spiegeln diese Antworten den persönlichen Standpunkt (auf der Grundlage der Beschäftigung von Thomas M. Gerbeth mit dem Sachverhalt) wieder.
Die Antworten erheben jedoch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und Rechtssicherheit.


Bitte lesen Sie zunächst die Broschüre durch, welche oben im hellblauen Feld in 2 textidentischen Versionen veröffentlicht ist. Darin sind die meisten Fragen beantwortet.
Finden Sie Dort keine Antwort, so können Sie an dieser Stelle weiterlesen.

Die untenstehenden Fragen und Antworten als PDF: Häufige Fragen und Antworten.pdf

1. Frage: Die allgegenwärtige Frage nach dem WARUM?

Antwort: Auf der  16. Vertragsstaatenkonferenz der C.I.T.E.S. wurde 2013 eine Resolution (Nummer 16.8)  verabschiedet (siehe oben), deren Umsetzung 2014 in den USA begann. Ab 05. Februar 2015 ist diese Resolution mit Inkrafttreten der Durchführungsverordnung auch in der EU umgesetzt worden.

2. Frage: Weder in der Presse noch über die Verbände wurden Informationen über die neuen Reisebestimmungen verbreitet. Ist da überhaupt was dran?

Antwort: Die Gesetze sind veröffentlicht und traten zum Stichtag in Kraft. Zudem gibt es unter den Suchbegriffen "Instrumentenbescheinigung" und "Instrumentenpass" unzählige Presseartikel zum Thema.

3. Frage: Darf ich die Informationsbroschüre über die sozialen Netzwerke teilen?

Antwort: Unter Angabe der Quelle ist es erlaubt, die Info-Broschüre weiterzugeben, auch über die sozialen Netzwerke. Natürlich steht es aber auch jedem frei, die Adresse www.gerbeth.at/info.htm weiterzugeben.

4. Frage: Besteht Hoffnung, dass diese Bestimmungen wieder gelockert werden?

Antwort: Die Erfahrungen mit dem Artenschutz zeigen, dass geltende Bestimmungen zunehmend verschärft werden. Damit wird auf Probleme und Erfahrungen bei der Durchsetzung der Artenhandelsgesetze reagiert. Auch wenn nicht auszuschließen ist, dass durch Nachbesserungen der Durchführungsverordnung die Verfahren verändert (eventuell sogar vereinfacht) werden, so ist meiner Ansicht nach mit keiner grundlegenden Änderung der Vorgehensweise zu rechnen, zumal die Behörden davon ausgehen, dass es sich bei der Neuregelung um Erleichterungen für die Musiker handelt (bereits in der Vergangenheit wären die Musiker verpflichtet gewesen, für Reisen über die Grenzen der EU hinaus entsprechende Dokumente zu haben, wenn Ihr Bogen oder Instrument Materialien enthielt, welches dem C.I.T.E.S.-Artenschutz unterliegen).

5. Frage: An meinem Bogen oder Instrument befindet sich nur ein einziges, kleines Teil aus einem dem C.I.T.E.S.-Artenschutz unterliegenden Material. Wird ggf. von den Vollzugsbeamten nur dieses Teil entfernt?

Antwort: Nein. Der Artenschutz geht immer von sogenannten „Exemplaren“ aus. Das heißt, ein Objekt, das mit einer dem C.I.T.E.S.-Artenschutz unterliegenden Art verbunden ist, unterliegt als Ganzes dem C.I.T.E.S.-Artenschutz. Somit kann schlimmstenfalls das gesamte Objekt konfisziert werden. Beispielsweise wird eine goldene Armbanduhr in den seltensten Fällen am Uhrengehäuse eine fragliche Art verbaut haben. Besitzt das Objekt jedoch Armbänder aus dem Leder einer dem C.I.T.E.S.-Artenschutz unterliegenden Art, so wird die gesamte Uhr nach geltendem Recht konfisziert. Entsprechend ist es auch bei Bogen und Instrumenten zu sehen.

6. Frage: Was ist der häufig kolportierte C.I.T.E.S.-Instrumentenpass?

Antwort: Bei der Umsetzung der C.I.T.E.S.-Resolution von 2013 hat sich die EU entschieden, das erforderliche Dokument C.I.T.E.S.-Instrumentenbescheinigung zu nennen. Dieses Dokument ist mit der Bezeichnung C.I.T.E.S.-Instrumentenpass, wie es z.B. in der Schweiz gebräuchlich ist, gleichzusetzen.

Diese C.I.T.E.S.-Instrumentenbescheinigung ist ausschließlich erforderlich, wenn am Instrument oder Bogen Materialien verarbeitet sind, die in ihrer hier verarbeiteten Form dem C.I.T.E.S.-Artenschutz unterliegen.

7. Frage: Benötige ich für mein Instrument oder Bogen eine Declaration of materials?

Antwort: Die Mitnahme einer Declaration of materials wird empfohlen.

Befindet sich am Instrument oder Bogen jedoch KEIN Material, welches optisch oder anderweitig einer dem C.I.T.E.S.-Artenschutz unterliegenden Art gleicht, so ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der Reisende dem Vollzugsbeamten beweisen muss, dass das Instrument oder der Bogen dem C.I.T.E.S.-Artenschutz NICHT unterliegt. Somit wäre das "Beweismittel" Declaration of materials für die verarbeiteten Materialien unnötig.

Besteht jedoch die Gefahr, dass der Vollzugsbeamte ein verarbeitetes Material dem C.I.T.E.S.-Artenschutz zuordnen könnte, dient die Declaration of materials der Entlastung des Reisenden. Mit der Vorlage der Declaration of materials beweist der Reisende die wahre Identität des verwendeten Materials.

Zu Bedenken ist jedoch, dass die Declaration of materials auch indirekt beweist, dass das Instrument oder der Bogen bei ihrer jetzigen Reise aus der EU kommt. Somit kann Ihnen ggf. nicht unterstellt werden, dass das Instrument oder der Bogen jetzt illegal in die EU eingeführt wird.

8. Frage: Ich habe einen Bogen aus der Bogenmachermeisterwerkstatt Thomas M. Gerbeth, Wien. Ist dieser "reisefähig"?

Antwort: Bogen, welche in der Bogenmachermeisterwerkstatt Thomas M. Gerbeth hergestellt wurden, also den Stempel „THOMAS M. GERBETH“, „THOMAS M. GERBETH, WIEN“ oder „T.M.G.“ tragen, wurden im Original bis zum März 2014 mit Kopfplatten aus fossilem Mammut gemacht (ggf. Silber- oder Goldkopfplatten).

Nach diesem Zeitpunkt wird generell brasilianischer Rinderknochen als Material für die Kopfplatten verarbeitet. Die Barockbogen sind mit Fröschen und Beinchen aus fossilem Mammut ausgestattet. Sind die Kopfplatten, Frösche und Beinchen noch original, so können reisende davon ausgehen, dass es sich dabei um oben erwähntes Material handelt.

Besitzen diese Bogen ein in unserer Werkstatt verarbeitetes Zuchtechsenleder, so werden wir Ihnen dieses für Ihre Reisezwecke gerne kostenlos gegen Leder aus Ziege, Rind, Känguru oder Karung-Schlange austauschen.

Bedenken Sie jedoch im Falle einer geplanten Reise über die Grenzen der EU hinaus, dass Sie jedenfalls eine Declaration of materials benötigen, um das Material Ihrer Kopfplatte oder ihres Leders nachzuweisen.

9. Frage: Wird die Declaration of materials anerkannt?

Antwort: Für die Declaration of materials gibt es Vorgaben, die die Anerkennung durch die Vollzugsbeamten unterstützen. In der Infobroschüre sind diese Vorgaben ausführlich aufgezeigt worden. Sind diese Vorgaben eingehalten, halten Sie ein sicheres Dokument in den Händen.

10. Frage: Welche Kosten kommen auf mich als Musiker zu?

Antwort: Der Aufwand, Ihr Instrument oder Ihren Bogen "Fit" für Ihre Reisetätigkeit zu machen, wird von Fall zu Fall unterschiedlich sein.

Gelingt der Nachweis über die rechtmäßige Entnahme aus der Natur der unter C.I.T.E.S. gelisteten Arten nicht (z.B. Elfenbein vor 1976), so müssen diese für eine geplante Reisetätigkeit durch ungeschützte Materialien ersetzt werden.

Als Bogenmachermeister gehe ich für Bogen in der Regel von Kosten für die Erneuerung der Kopfplatte, einhergehend mit der notwendigen Erneuerung des Bogenbezuges und einem eventuellen Austausch des Leders aus.

Diese Maßnahmen wirken sich, insofern sie von spezialisierten Handwerksmeistern durchgeführt werden, nicht auf den Wert des Objektes aus.

Bei seltener vorkommenden Fischbeinwicklungen oder Elfenbein- bzw. Schildpattfröschen sind auch die Kosten für den Austausch dieser Materialien zu beachten.

Die Kosten für die Declaration of materials selbst werden maßgeblich von den Kosten für die sachgemäße Dokumentation des Objektes abhängen.

Ich, Bogenmachermeister Thomas M. Gerbeth, berechne für die Declaration of materials für Bogen aus meiner Werkstatt 50,- € und für "fremde" Bogen 70,- €.

Zukünftig werden neue Bogen aus meiner Werkstatt mit einer kostenlosen Declaration of materials ausgehändigt.

11. Frage: Kann die Kopfplatte auch ersetzt werden, ohne den Bezug zu wechseln?

Antwort: Leider nein. Die Erneuerung der Kopfplatte durch hochwertigen brasilianischen Rinderknochen oder fossilem Mammut (oder auch jedem andere Material) erfordert, den Bezug aus dem Kopf zu nehmen. Auch wenn es gelingt, den Bezug wieder in den Kopf zu verankern, wird die gewohnte Qualität des Bezuges nicht mehr erreicht. Die Haare werden nicht so parallel wie gewohnt liegen, einzelne Haare können in der Länge variieren. Trotzdem ist der Aufwand, die alten Haare wieder in den Kopf einzusetzen (anders als beim frischen Bezug sind die Haare trocken, die Haare sind bereits geknickt, der Bezug ist voll mit Kolophonium) fast genau so groß wie ein Neubezug.

12. Frage benötige ich eine neue Declaration of materials wenn z.B. das Daumenleder ersetzt wird.

Antwort: Nein. Ich, Bogenmachermeister Thomas M. Gerbeth, werde ein Zusatzpapier mit der selben Nummer wie die Original-Declaration of materials erstellen, aus dem der Wechsel des Daumenleders (mit aktuellem Foto der Froschpartie) hervorgeht. Zusammen mit der Declaration of materials haben Sie wieder ein beweiskräftiges Dokument in den Händen. Sie können sich aber auch auf der Rechnung folgenden vermerk erbitten:

z.B. "Am Violinbogen zugehörig zu Declaration of Materials Nr. XXX ausgestellt durch XXX am XXX wurde das Daumenleder erneuert. Das ersetzte Daumenleder ist aus Ziegenleder (domestic goat leather [Capra aegagrus hircus])"

13. Frage: Was passiert, wenn ich an der Grenze aufgehalten werde und ich die Declaration of materials nicht dabei habe?

Antwort: Im Falle einer Kontrolle durch die Vollzugsbeamten wird Ihnen u. U. eine Frist eingeräumt, in der Sie gegebenenfalls Beweismaterial beibringen können.

Sie erhalten die Declaration of materials von mir per Mail als PDF. Heben Sie dieses Mail an geeignetem Ort auf - somit sind Sie in der Lage, dieses Mail zeitnah dem Vollzugsbeamten zukommen zu lassen.

14. Frage: Sind die Vollzugsbeamten ausgebildet, den Unterschied zwischen geschützten und ungeschützten Arten zu erkennen

Antwort: Ja und Nein. Die Inspektoren des Wild- und Fishlife Service in den USA konnten bei einem Bogen mit Echsenleder exakt die Art und sogar die Position des Leders (Daumenleder aus der Rückenpartie, Schutzleder vom Oberschenkel…) benennen, gerade einmal, dass sie nicht den Vornamen des Tieres kannten (überspitzt geschrieben ;)).

Nur – die Beweispflicht, dass es sich um eine ungeschützte Art handelt, liegt beim Reisenden! Bezweifelt ein Vollzugsbeamter den ungeschützten Status Ihres Objektes und verlangt somit eine gültige C.I.T.E.S.-Instrumentenbescheinigung ist der Reisende in der Pflicht, den Vollzugsbeamten vom Gegenteil zu überzeugen. Dann ist es hilfreich, eine Declaration of materials vorweisen zu können.

15. Frage: Ist nach diesen Bestimmungen nun jeder Handel mit Musikinstrumenten untersagt, die Materialien enthalten, welche dem C.I.T.E.S.-Artenschutz unterliegen?

Antwort: Nein. Nur sind hierfür andere C.I.T.E.S.-Genehmigungen erforderlich. Diese sind auch beim BMLFUW zu beantragen. Nicht erlaubt ist, ein Instrument/Bogen mit der hier erläuterten C.I.T.E.S.-Instrumentenbescheinigung (MIC) ins Ausland zu bringen und dort zu handeln.

16. Frage: Ich möchte mithelfen, diese Seite zu verbessern, zu ergänzen oder habe Fragen, die hier beantwortet werden sollten. Wie geht das?

Antwort: Sie dürfen gerne ein Mail an bogenbau@gerbeth.at senden. Nach Prüfung stelle ich ergänzenden Informationen gerne auf diese Seite.

 

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